Donnerstag, 21. März 2013

Sagt die BF doch neulich am Telefon ...

"Also die Geschichte mit dem kleinen Igloo in allen Ehren...haste wirklich schön geschrieben und ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt, aber findest Du nicht, es ist an der Zeit Deinen Blog zu aktualisieren?"
Wo sie Recht hat, hat sie Recht!
Das Problem ist nur ... mit was?
Mit dem Wetter vielleicht?
Das ist in unseren normannischen Gefilden einfach nur zum Fürchten. Und das permanente Grau in Grau scheint sich irgendwie auch auf meine Neuronen auszuwirken.
Gut!
Das gigantische Schneechaos von vor einer Woche findet sich nur noch hier und da in langsam dahin schmelzenden Schneeplatten wieder und auch das Barometer steigt seit gestern tatsächlich mal in die richtige Richtung.
Aber kann man dem Frieden auch trauen?
Warten wir es ab.
Und bis dahin ...
 ein paar wirklich seltene Winter Impressionen fotografiert von einer Freundin aus Le Havre
... in der Hoffnung, dass es die letzten Schneefotos in diesem Frühling sind.












Montag, 4. März 2013

RIP Kleiner Igloo

Der Tag fängt eigentlich recht harmlos an.
Geweckt werde ich von einem kratzenden Geräusch auf der Fensterbank. Dort steht eine Schüssel mit Katzenfutter, damit der alte, 18 jährige Stubentiger in aller Ruhe fressen kann, ohne von den wesentlich jüngeren Katzen, die normalerweise in der Küche gefüttert werden, genervt zu werden. Ein leise schnurrendes Geräusch an meinen Ohren bezeugt aber von seiner Anwesenheit neben meinem Kopfkissen und so kann das Geräusch nur einer der anderen Rabauken sein, der sich hoch geschlichen hat, um zu schauen, was es hier oben besseres zu fressen gibt. Mit einem kurzen scharfen Befehl auf den Lippen hebe ich den Kopf und sehe auf der Fensterbank ... nichts ... außer der Futterschüssel. Merkwürdig. Ich kuschele mich wieder ins Kopfkissen.
Da! Schon wieder! Kratz, kratz, klapper, klapper.
Ich setze mich genervt auf.
Niedlich runde Ohren gepaart mit kleinen Knopfaugen und vibrierenden Barthaaren, die immer wieder erschreckt über den silbernen Rand der Schüssel nach Gefahr lauschen, um dann ruckartig zu verschwinden damit sich der Rest des Körpers blitzschnell um die eigenen Achse drehen und mir kackfrech ein Hinterteil mit dem fadenähnlichen, langen Schwanz präsentieren kann, zeugen von einem kleinen frechen Nager, der sich an den Resten des Katzenfutters zu schaffen macht.
Himmel! Mir bleibt im Moment aber auch nichts erspart!
Jetzt kann ich wieder auf Mäusejagd gehen, was ja eigentlich die Aufgabe meiner Katzen wäre. Aber die schleppen die Mäuse lieber ins Haus, als sie nach draußen zu befördern. Blöde Viecher!
Dass die Maus in meinem Haus an diesem Tag mein kleinstes Problem sein wird, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ich sitze bei meiner zweiten Tasse Kaffee ... da klingelte das Telefon. Ich schaue auf den Display und die Handy Nummer von Großer Tochter verheißt nichts Gutes. Sie ist schon draußen bei den Pferden und ihre Worte: "Mammi! Igloo liegt und ich bekomme ihn nicht hoch!" bewahrheiten die schlimmen Befürchtungen der letzten Tage. Schon seit Wochen sind wir in große Sorge um das kleine weiße Pony vom Mondscscheinbaby.
Nur wenig später stehe ich in meiner normannischen Arbeitsuniform, Gummistiefel, knallrote arktische Windjacke, Ohrschützer und Hardware Handschuhe - elegant geht anders - im Stall und gemeinsam versuchen wir Igloo  auf die Beine zu hieven.
Aber so sehr wir uns auch bemühen, ich kann mich des  Gefühls nicht erwehren, dass der kleine Mann den Kampf für sich aufgeben hat.
Es ist so ungerecht.
Lebenslang hat  Igloo hart als Schulpony arbeiten müssen. Bei Wind und Wetter, Regen und eisiger Kälte. Er und seine Arbeitskumpels hatten nur einen zugigen Unterstand, um sich nach getaner Arbeit eng aneinander gekuschelt von den Strapazen der an den Zügel ziehenden und in die Flanken tretenden kleinen Kindern zu erholen.
Als er zu uns kam, muss es ihm so vorgekommen sein, als wäre er im Paradies gelandet.
In einem dick mit frischem Stroh ausgelegten Stall, inklusive nach Sommer und Sonne riechendem Heu und Granulat, muss er sich vorgekommen sein wie in einem 5 Sterne Hotel. Und obwohl uns kurz nach seiner Ankunft bestätigt wurde, dass er gesundheitlich nicht auf der Höhe ist, (der Tierarzt vermutete einen Hirnschlag) war die liebevolle Dankbarkeit in seinen großen braunen Augen für uns Bestätigung genug, das Richtige getan zu haben, auch wenn es klar war, dass das Mondscheinbaby ihn nie reiten würde können. Sie ist mit ihren zwei Jahren sowieso noch zu klein, aber dass sie wie ihre Tante, mit dem Ich-bin-total-Pferde-narrisch-Gen auf die Welt gekommen ist, zeichnet sich jetzt schon ab. Ihre ersten Worte neben Papa, Maman, Mimi, waren Igloo und Hühü für den Rest der Herde.
Ach ja - es ist schon traurig, ihn gehen lassen zu müssen.
Die tröstenden Worte der BF legen sich ein paar Stunden später um meine Seele wie eine gute Feuchtigkeitscreme um raue Hände:
Mann, das mit dem Pony tut mir so leid, auch wenn es irgendwie absehbar gewesen sein mag. Hier wäre ein Wunder wahrlich toll angekommen, es kommt mir so sinnlos vor. Aber vielleicht... war es eines dieser Tiere, das zu dir zum Sterben gekommen ist, um vorher noch die volle Ladung Liebe abzugreifen...

RIP Kleiner Igloo. 
Wir hätten dich gerne noch ein bisschen länger mit Liebe verwöhnt .

Donnerstag, 28. Februar 2013

Multitasking der Frau - Ein Satz mit X

... und/oder ein genialer Schachzug der Werbung?
Um uns Frauen zu Höchstleistungen anzutreiben und uns vorzugaukeln, wie gesellschaftlich wertvoll und überlegen, immer im Vergleich zu Männern natürlich, wir sind?
Vielleicht ist das Multitasking-Gefasel aber auch eine Erfindung der Pharma-Industrie, die sich über den immer höher werdenden Absatz der Medikamente für das allseits beliebte Burnout Syndrom erfreut?
Nur noch schnell 'nen Kaffee, dann lege ich los!
Ohne diesen Satz geht im Moment nichts mehr!
Liegt es am langen Winter? An den Anforderungen, die eine Großfamilie mit sich bringt?
Am ... oh Schreck und Graus ... älter werden?
Vielleicht ja doch eher an den permanent und nicht aufhören wollenden Krankheitsfällen in unserem hauseigenen Zoo. Auch die Herausforderung Mamalu mit den Eigenheiten der französisch normannischen Landbevölkerung vertraut zu machen, fordert seinen Tribut.
Was auch immer der Grund sein mag, nichts geht mehr ohne Massen vom schwarzen Türkentrank!
Und selbst der hat Probleme, mich in Schwung zu halten.
Könnte es sein, dass ich dem Mythos des Frauen-können-alles-gleichzeitig erlegen bin, mir aber jetzt die Rechnung von fast depressiver Schlappheit präsentiert wird?
Das Multitasking auf das ich früher so stolz war - gleichzeitig telefonieren, kochen und den Kindern bei den Hausaufgaben helfen - geht gerade den Bach herunter und ich frage mich, ob ich mich nicht deshalb so ausgebrannt fühle, weil ich permanent wie Hans Dampf in allen Gassen herumjage und mich trotzdem des Gefühls nicht erwähren kann, nichts nicht richtig und zu meiner vollsten Zufriedenheit gebacken zu bekommen.
Auf der FB Seite von Yosemite las ich gestern folgenden Eintrag:
"Bin auf dem Weg zu meinem Hobbyraum über einen Berg Bügelwäsche gestolpert. Jetzt ist der Nachmittag futsch"
Das kommt mir so bekannt vor und ich frage mich an dieser Stelle:
Wäre das einem Mann passiert?
Nie und nimmer!
Männer sind einfacher und zielorientierter gestrickt.
Ein Mann, mein Mann, wäre schnurstracks, blind am Wäscheberg vorbei geschlendert und hätte unbeirrt, ohne auch nur den Ansatz eines schlechten Gewissens zu verspüren, sein Ziel verfolgt.
Ich merke zunehmend, wie mir das berühmt berüchtigte alles simultan-und-parallel-machen-können-und-wollen das Genick bricht.
Vor lauter lauter übersehe ich die Hälfte oder fange Sachen an und bringe sie nicht zu Ende. Bin ich an der einen Sache, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die andere Sache nicht vorher noch schnell erledigt habe. Ganz chaotisch wird es, wenn sich ... hach was liebe ich die Wechseljahre ... auch noch gewisse Gedächtnisschwächen einschleichen.
Himmel Herrschaft wo isser denn jetzt schon wieder hin, der Auto Schlüssel.
Meine Brillen habe ich wohl versehentlich in den Mülleimer geworfen, denn außer der kaputten, mit dem fehlenden Bügel, ist keine einzige auffindbar. Und damit soll ich effektiv und konzentriert arbeiten können?
Während ich des morgens aufstehe, als allererstes die Viecher versorge, die vom Babyhund in tausend Einzelteile zerfetzten Pizzakartonschnipsel auflese, die Geschirrspülmaschine ausräume, nebenbei noch meine Emails checke, mir einen Kaffee nach dem anderen einwerfe, um funktionstüchtig zu bleiben, erhebt sich der Schottengatte - wenn er denn mal zuhause ist - gemächlich und trinkt erst einmal in aller Ruhe seinen Kaffee auf der Treppe zur Küchentür. Und während er die so selten gewordenen Sonnenstrahlen dieses Winters auf seinem Gesicht geniest, überlegt er sich, welche eine (!) Sache er heute wie und wo angeht.
Dann stellt er die Kaffeetasse auf (!) die Geschirrspülmaschine und verfolgt sein Ziel, ohne sich von liegengebliebener Bügelwäsche, schmutzigen Waschbecken oder unbedingt zu bezahlenden Rechnungen aus dem Konzept bringen zu lassen. Er geht seines Weges, wuselt fröhlich pfeifend vor sich hin, bis seine eine (!) Sache fertig und zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigt ist. Dann klopft er sich auf die Schulter und lobt sich selbst in den höchsten Tönen.
Da kommt Neid auf.
Es ist allerhöchste Zeit, die Art und Weise wie ich meinen Haushalt, meine Familie, meinen Zoo, meinen Garten und meinen Beruf unter einen Hut bekomme, zu überdenken.
Ich habe beschlossen mehr wie (m)ein Mann zu werden und mir ein Beispiel an seiner Unfähigkeit zum Multitasking zu nehmen.
Vielleicht sollte ich doch wieder mit dem verhassten Listen-schreiben anfangen.
Wenn ich es nur nicht so schrecklich fände.
Denn, kaum habe ich oben die ersten Punkte abgehakt, bekommt die Liste nach unten, wie eine nie enden wollende Geschichte, immer neue "Kapitel" dazu und das Gefühl "Es ist alles erledigt!" will und will sich nicht einstellen. Allerdings zwingt mich eine Liste dazu, eine Sache nach der anderen anzugehen und sich einzugestehen, dass frau eben doch nicht immer alles gleichzeitig machen kann.
Doof nur, dass Multitasking süchtig macht.
Einfach nur noch Fernsehen gucken, ohne nicht wenigstens gleichzeitig auf dem Tablett im Internet zu surfen, ist irgendwie langweilig. Oder mit der BF zu telefonieren und dabei die Zeit nicht zu nutzen, in der Küche ein bisschen Klar Schiff zu machen, ist doch auch vergeudete Zeit, oder?
Gestern allerdings ertappte ich mich dabei, wie ich, trotz meines Vorsatz einen Gang herunterzuschalten die Waschmaschine belud und das Klo sauber machte ... während ich meine Zähne putzte.
Spätestens an dieser Stelle muss ich mir eingestehen, dass Mulitasking irgendwo seine Grenze hat.

Dienstag, 22. Januar 2013

Der Schlag im Pferdekopf

Dass Menschen an Hirnschlag erkranken und sogar sterben können, wusste ich.
Aber Pferde?
Gestern mussten wir den Tiernotarzt rufen.
Die Diagnose ist ernüchternd: Hirnschlag mit vermutlich massiven Lähmungserscheinungen. Die sorgen dafür, dass das süße, kleine und schneeweiße Pony vom Mondscheinbaby dauernd hinfällt.
Irgendwie ist der Wurm drin.
Schon den zweiten Weihnachtsfeiertag, der hier in Frankreich übrigens kein Feiertag ist, verbrachten wir mit einer unserer Stuten in der Pferdeklinik und ich starb tausend Tode. Nicht wegen dem Pferd, das hat "nur" eine chronisch vereiterte Stirnhöhle und die ist medikamentös behandelbar, sondern weil ich so ungern mit Pferdeanhänger unterwegs bin.
Andere haben Angst ins Flugzeug zu steigen oder kriegen schreiend die Krise wenn sie eine Maus sehen, mir bricht der Schweiß aus allen Poren, wenn ich mit dem Hänger inklusive Pferd im Auto sitze und von A nach B muss.
Und das obwohl, oder vielleicht gerade weil ich nicht mal hinter dem Steuer sitze.
Und jetzt hat es den kleinen Neuzugang erwischt.
Das Mondscheinbaby ist mit ihren 2 Jahren pferdenarrisch.
Ob in Büchern, auf Bildern oder in Plüsch vom Spielzeughersteller,  alles was vier Beine hat, "Hühühü" macht und gefühlte tausend mal grösser ist als sie, zieht sie magisch an. Schon im vergangen Sommer mussten wir höllisch aufpassen, weil sie unerschrocken unter dem elektrischen Zaun hindurch krabbelte und sich auf ihren flinken kleinen Babybeinchen in Windeseile den Tieren näherte. Kleiner Tochter, die, obwohl sie in jungen Jahren selbst ritt, nie wirklich die Angst vor den Pferden verlore, blieb jedesmal fast das Herz stehen.
Wenn wir das Mondscheinbay auf den Rücken der alten Stute setzen, greift sie unerschrocken in die Mähne und mit einem fast gleichgültig wirkenden, blasierten Gesichtsausdruck, so als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Kaum holen wir sie herunter, fängt sie an zu meckern.
Wie heisst es so schön? Das Glück dieser Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde?
Wenn der Rücken aber so hoch von der Erde entfernt ist, ist der Weg nach unten für eine Zweijährige ziemlich weit.
Was also lag näher, als dem Enkelkind zu Weihnachten ein Pony zu schenken.
Der Zufall wollte es, dass in dem Gestüt, in dem Große Tochter zwei Jahre lang arbeitete, die Reitschulponies aussortiert und ins Gnadenbrot geschickt wurden. Und so holten wir Anfang November Igloo, weiß wie Schnee und von einer Liebenswürdigkeit, die sogar Kleine Tochter ihren enormen Respekt vor Pferden vergessen lässt, zu uns nach Hause.
Das Mondscheinbaby war im Pferdehimmel.
Die ersten Worte die sie spricht, sind neben Mama und Papa, "HüHüHü" und "Igloo".
Jetzt geben wir uns eine Woche, um zu sehen, ob wir mit medikamentöser Behandlung und dem Einsatz eines Osteopathen retten können, was zu retten ist.
Damit das süße kleine Pony wenigstens noch ein bisschen was von seiner "Rente" hat bevor es in die ewigen Jagdgründe gehen muss.

Samstag, 19. Januar 2013

Magische Stille

Wenn Freunde aus Paris zum Weekend kommen und bei uns übernachten, dann ist die Antwort auf die Frage: "Na wie habt ihr geschlafen?" eigentlich immer die gleiche:
"Sehr gut! Auch wenn es beim Einschlafen etwas unheimlich war, denn hier ist es so ruhig."
Ruhig?
Bei uns?
Gut wir leben mitten im normannischen Land und die Autobahn, die uns mit der französischen Metropole ... und dem Rest der Welt ... verbindet ist ein paar Kilometer entfernt.
Aber ruhig?
Das ist ein Scherz, oder?
Hier muhen die Kühe, es rattern die Traktoren und Rasenmäher. Die Esel vom Nachbar machen mit ihrem Ge-iahe einen so todtraurigen Radau, dass ich es sogar durch die Doppelglasfenster hören kann. Von den blöden Hähnen in den angrenzenden Gärten, die morgens beim ersten Sonnenlicht alle Mann aus den Federn krähen fange ich erst gar nicht an. Dann gibt es da noch die bellenden Hunde, die quakenden Frösche, die miauenden Katzen, die wiehernden Pferde, die Eulen und Falken, die einem in der Nacht das Blut in den Adern gefrieren lassen und wenn es ganz hart auf hart kommt, die jungen Füchse, die nächtlich im Garten tollen und Laute von sich geben, die den Gruselfaktor von Eule und Co lässig übertrumpfen.
Also echt jetzt! Ruhig ist was anderes.
Gestern Abend aber, lag ich in meinem Bett und es war so still, dass ich meinen eigenen Herzschlag hören konnte.
Was war passiert?
Waren die Esel verschenkt und die Hühner geschlachtet worden? Die Batterien sämtlicher Traktoren und Autos eingefroren, und die Eulen von den Füchsen aufgefressen worden?
Nichts von alledem.
Es hat nur geschneit!
Wie ein große, weiße, kuschlig dicke Isoliermatte liegt der Schnee über dem Dorf und erstickt jeden Laut.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Tante Emma Laden in Paris

Es gibt ihn tatsächlich.
Einen echten Tante Emma Laden.
In Paris.
Was er verkauft?
Von Brandzwieback über Dextro Energen, Dickmanns, bis hin zu Leibnitz und Löwensenf so ziemlich alles was das deutsche Herz begehren könnte und von dem die Franzosen noch nie etwas gehört haben.
Mamalu tut sich noch schwer mit dem eingewöhnen.
Dabei ist es weniger die Sprache, die ihr Probleme bereitet, denn mit Hand und Fuß und Englisch kommt man in unserem, immer mehr vom Tourismus verwöhnten Pont Audemer eigentlich ganz gut zurecht. Die Menschen hier sind freundlich, zugänglich und haben keinerlei Berührungsängste. Zudem ist das Auswandern von heute nicht mehr, mit dem Auswandern von früher zu vergleichen. Deutsches Satellitenfernsehen und digitales Internetradio ...Weihnachtsgeschenk der Enkelkinder...mit dem geliebten HR3, kreieren, kombiniert mit Arien schmetternden Tönen des bayrischen Klassiksenders, ein gemütlich deutsches Microkosmos in der 100 Jahre alten, ehemaligen Fachwerk-Apfelpresse  ...wann man mal davon absieht, dass man noch über 100(e) Kartons kraxeln muss. Davon später vielleicht mehr.
Einer meiner Scrapbookingkursmädels ist Engländerin mit dazu passenden britischen Göttergatten. Beide sind in der "Château Branche" tätig. Will heißen, sie kümmern sich um den Erhalt und die Vermietung eines Schlosses in der Gegend und haben in den Wintermonaten relativ wenig zu tun. Als ich Englische Freundin fragte, ob sie jemand kennen würde, der Mamalu mit Hausmeisterarbeiten zur Hand gehen könnte und der mit "viel Glück" auch noch ein bisschen englisch spricht, bot sie mir spontan ihren Mann zur Leihgabe an.
British Göttergatte von Englischer Freundin ist ein ein Geschenk des Himmels.
Dass mein Universum mal wieder so genau zuhört und dann auch noch prompt liefert, hat sogar mich, eine seit Jahren erfolgreiche Bestellerin, regelrecht umgehauen. An dieser Stelle gleich mal ein 3 x dickes Danke nach oben an die zuständigen Stellen des göttlichen Online-Anbieters.
Nicht nur, dass British GöGa hervorragend und zügig arbeitet, nein, er und Mamalu können miteinander babbeln was das Zeug hält. Mamalu's Englisch, welches sie zu Besatzerzeiten in den frühen 50ern lernte als sie für die in Deutschland stationierten amerikanischen Kräfte arbeitete, ist erstaunlich frisch und British GöGa kann überraschend gut deutsch, da er ein paar Jahre in Good Old Germany arbeitete.
Mamalu und British GöGa sind ein "match made in heaven".
Und erleichtern mir mit ihrer "Liebeshochzeit" das Leben ungemein.
Beim einkaufen hilft Mamalu der Lidl über die größten Entzugsserscheinungen hinweg.
Dank der Globalisierung sind fast 70 Prozent der Produkte identisch mit denen in Deutschland.
Gleiche Aufmachung, gleiche Packung, gleicher Inhalt.
Mamalu kann bedenkenlos Entkalker fürs Badezimmer kaufen ohne Gefahr zu laufen sich versehentlich zu vergiften. Auch wenn sie das Französisch auf der Verpackung nicht lesen kann.
Sogar (fast) deutsches Brot und Laugenbrezeln gibt es, man höre und staune, seit kurzem in der funkelnagelneuen Backwarenabteilung. Noch liegen sie ein bisschen verloren neben Baguette, Croissants und Co und werden misstrauisch von der französischen Kundschaft beäugt, machen Mamalu aber ausgesprochen glücklich ...siehst du Kind! Es gibt doch deutsches Brot! ... und sie geht immer erst dann einkaufen, wenn sie weiß, dass das frisch ausgebackene Brot, dessen Teig mit großer Wahrscheinlichkeit aus Polen kommt ...erwähnte ich  schon die Globalisierung? .... in der silberglänzenden Ablage liegt.
Was also macht Mamalu das Leben in unserer schönen Normandie so schwer?
Kaffee, deutscher Kaffee.
Den vermisst sie ganz schrecklich.
Letztens verglich sie den Geruch von frisch gemahlenen, französischen Kaffee ... die Bohnen dazu hatten wir extra in einem Spezialgeschäft hier vor Ort gekauft ... mit ... Katzenpipi!
Es heisst ja immer "die Jugend von heute", aber ältere Semester sind manchmal so brutal mit Ehrlichkeit und Direktheit gesegnet, dass es mir die Sprache verschlägt.
Mamalu nimmt nur noch selten ein Blatt vor den Mund. Geradeheraus und ohne Umschweife sagt sie was sie denkt. Von den neuen Kaffeemaschinen hält sie nichts und der Kaffee wird wieder selbst gemahlen. Nachdem die Bohnen bitteschön fein säuberlich im Aschenputtelverfahren nach Gut und Schlecht aussortiert wurden, um das Ganze im Anschluss mit dem  guten alten Melittafilter wie in Großmutters Zeiten zu brühen. Dieser ganze Aufwand ist natürlich vergebene Liebesmüh, wenn man das mit Kaffee machen muss, der nach "Katzenpipi" riecht. Alle Erklärungen, dass es an der Torrefaction, also der französischen Art und Weise liegt, wie man hier in Frankreich Bohnen brennt, und diese auf lange Zeit gesehen zwar ein bisschen bitterer aber wesentlich magenschonender ist, fallen auf taube Ohren.
Also habe ich ohne viel Hoffnung "deutscher Kaffee in Frankreich" gegoogelt.
Und was soll ich sagen?
Das Universum hat wieder zugeschlagen ... danke,danke,danke ... und mir den Link zum Tante Emma Laden auf den Bildschirm gezaubert. Nach ein paar weiteren Klicks konnte ich mit großer Befriedigung feststellen, dass es dort nicht nur Dallmayer, sondern auch Jakobs Krönung in Bohnenformat gibt.
Und sie verkaufen Online.
Also nichts wie her mit dem Bestellformular und den Scheck geschrieben.
Nun harre ich der Dinge, bzw. dem Paket und hoffe, das "Katzenpipi"  bald ad akta legen zu können.

Noch mehr "Allemagne à Paris": Die Stube

Dienstag, 15. Januar 2013

Unter der Haube ...fast

Am Samstag hat Papa vom Mondscheinbaby bei Kleiner Tochter um die Hand angehalten.
Hochzeit 2014  ... damit sich das Mondscheinbaby später auch gut daran erinnern kann.


Samstag, 12. Januar 2013

Moderne Enkelkinder

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mein Vater in den späten 60ern nach Hause kam und uns stolz seine neueste Errungenschaft präsentierte: einen funkelnagelneuen Farbfernseher.
Ich sehe mich heute noch fasziniert im Schneidesitz auf dem Boden sitzen und ausnahmsweise am Abend das kunterbunte Treiben des Fernsehballett vom Zweiten Deutschen Fernsehens bewundern. Hatte ich bis dahin doch das Sandmännchen immer nur in Schwarzweiß zu sehen bekommen und wurde danach rigoros und ohne Erbarmen ins Bett geschickt.
Der nächste, für mich einschneidende technische Erinnerungsschnitt ist die Ankunft der Fernbedienung.
Auch da habe ich das Bild meiner Großmutter in ihrem geliebten Fernsehsessel  im Kopf, während ich, der junge und ungeduldige Teenager, ihr zu erklären versuchte, was das mit den vielen, bunten Knöpfen und den Zahlen von 1 bis 9 so auf sich hatte.
Wieder ein bisschen später, ich hatte das Pubertieren mittlerweile glücklich hinter mir gelassen und mich frisch in den SchoGa verliebt, da kamen die Videorekorder auf den Markt und alle Welt entsetzte sich darüber, dass man sich jetzt mit noch mehr Fernsehen die Zeit vertreiben müsste.
Danach ging es eigentlich irgendwie Schlag auf Schlag.
Eine technische Eroberung jagte die andere. Internet, E-mails, mobile Telefone, Amazon, Ebay, Facebook und Pinterest begleiteten mich bei dem Älterwerden, treiben mich manchmal in den Wahnsinn, aber helfen mir, geistig nicht zu verkalken.
Gestern waren wir bei Mamalu, deren Haus nach dem Mörder-Umzug nach Frankreich so langsam aber sicher und trotz der gigantisch vielen Kartons und viel zu vielen Möbeln, Stück für Stück wohnlich wird und das zweijährige Mondscheinkind grabbschte sich in einem unbeobachteten Moment eines der vielen Bilder in ihren irrsinnig teuren Rahmen von der pseudo-antiken Kommode.
Noch bevor ich einschreiten konnte, hatte sie sich, inklusive Foto von ihren Urgroßeltern in jungen Jahren, auf die Couch gerettet und sie schaute, das Bild fest auf beiden Seiten mit den kleinen Patschehändchen haltend, fasziniert auf den Mann neben Mamalu, den sie nie kennenlernen wird, da er vor 20 Jahren verstorben ist.
Ich gebe es ja zu, ich bin vernarrt in meine zuckersüße Enkeltochter und der Moment, wie sie da so ernst das Foto betrachtete war so niedlich, dass ich ihr die Zeit gab und einfach abwartete, bis es ihr zu langweilig werden würde, um das Bild in letzter Sekunde vor einem eventuellen auf den Boden fallen zu retten und auf seinen angestammten Platz auf der Kommode zurück zu stellen.
Tja und da war er wieder, der technische Einschnitt, mit dem ich an dieser Stelle und in diesem Moment im Leben nicht gerechnet hätte.
Das Mondscheinbaby ließ den schweren goldenen Fotorahmen mit einer Hand los ...mir blieb das Herz stehen und ich war sprungbereit ... und formte diese zu einer kleinen Faust mit ausgestreckten Finger. Dann strich sie immer wieder von rechts nach links über das kalte Glas und schaute mich mit ihren großen grünen Augen fragend an und runzelte ihre kleine Stirn. Ich brauchte einen Moment bis ich begriff, warum sie so frustriert schaute: das Bild blieb, trotz wiederholten darüber Streichens, immer das Gleiche.
Die Ipad Generation ist geboren.

Donnerstag, 10. Januar 2013

In den Wolken leben

Wir Normannen sind ja so einiges gewöhnt was das regnerische Wetter betrifft.
Wir tragen es mit Fassung, denn wir wissen: die Normandie ist nur deshalb so grün weil ....na, weil es soviel regnet. Seit Monaten haben wir die merkwürdige Scheibe, die man Sonne nennt, nicht mal auch nur ansatzweise auf unseren Sehnerven zu spüren bekommen. Es ist so schlimm, dass man sich nicht mal mehr auf der Straße bei einer Zufallsbegegnung mit dem Freund, dem Nachbar oder der Bekannten über das Wetter unterhält. Es ist einfach immer das Gleiche und wird langweilig.
Heute morgen aber hat Petrus den Vogel abgeschossen:
Als ich die Hunde um kurz nach 7 zum pieseln in den Garten lies, hatte ich das Gefühl von Wasser umgeben zu sein. Im Schein der Taschenlampe wirbelten Abertausend glänzende Tröpfchen nebst dem wohl nie aufhören wollenden Regen um mich herum und mir war klar:
Wir haben den Himmel bzw. die Wolken auf Erden.
Im wahrsten Sinn des Wortes.
Morgen soll, laut Wetterdienst, die Sonne scheinen.
Ich habe lange nicht mehr so über einen guten Witz gelacht.

Montag, 31. Dezember 2012

Wie machen andere das bloß?

Ich bin dem Pinterest Fieber verfallen.
Was um alles in der Welt ist das denn schon wieder? Pinterest? Noch nie was davon gehört!
Tja das habe ich mich vor ein paar Wochen auch gefragt und mich aus Jux und Tollerei dort mal angemeldet.
Großer Fehler! Denn nun habe ich den Salat.
Morgens bei meiner morgendlichen Tasse Kaffee, nachdem ich in der Küche klar Schiff gemacht habe, die Hunde und Katzen gefüttert sind,  meine Emails gecheckt habe und mich über das Weltgeschehen in der Presse informiert habe ... warum tue ich mir das eigentlich an, es ist sowieso immer der gleiche Mist? ...schaue ich "nur mal ganz kurz" bei Pinterest vorbei.
Und da kann aus "nur mal kurz" ganz schnell "ein kleines" Stündchen werden.
Meine erste Begegnung mit Pinterest gleicht der mit Facebook: totale Verwirrung
Am Anfang schaute ich nur staunend auf die vielen Bilder, die sich da auf meinem Bildschirm auftaten und ich war völlig geflasht von dem gigantischen Ideen- Reichtum, der mir da via Internet in mein Haus flatterte.
Mittlerweile bin ich hin und weg und "pinne" was das Zeug hält.
Leider bin ich auch etwas frustriert.
Vor allem wenn ich in der Kategorie Dekoration unterwegs bin.
Ich schwanke zwischen Neid und Begeisterung, wenn ich mir die Bilder von Traumküchen, Bädern und Wohnzimmer anschaue, die von anderen Internetverrückten auf ihre Bilderpinnwände gepinnt werden und somit für die breite Pinterestmasse zugänglich wird.
Wie machen das andere bloß?
Immer so schön aufgeräumt und bis ins Detail geplant und durchgestylte Wohnungen bzw. Häuser zu haben?
Wenn ich es mal schaffe unsere Bude fotografier-würdig aufzuräumen, dann kann ich Brief und Siegel darauf geben, dass die Familie im Clanverbund hier auftaucht und man in kürzester Zeit das Gefühl hat, die Hausfrau hätte sich seit Wochen in die Ferien verabschiedet.
Pinterest ist mittlerweile die Hühnerbrühe für meine Seele.
Wenn mir das Chaos zu toll wird und ich vor lauter Hund, Katze, Kind und Enkelkind nicht mehr weiß, wie mir geschieht, gehe ich ein bisschen Bilder anschauen und träume:
Von Ruhe, von Ordnung, von Küchen, die noch nie ein laute, lustige,lebendige kunterbunte Pippi Langstrumpf Familie wie meine erlebt haben.




Ich wünsche Euch allen ein Frohes Neues Jahr 
2013
und bedanke mich an dieser Stelle für Eure Treue und die vielen netten Kommentare.

Eure Pia


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